Klettern ist die herausragende Fähigkeit der meisten Waldreben. Die Gewöhnliche Waldrebe erreicht Höhen bis zu 12 Meter.
Bei der Brücke zur Nippenburg hat sie einen niedrigen Baum komplett überwuchert.
Selbst im Herbst lässt ihre Aktivität kaum nach. Im Vordergrund der folgenden Aufnahme vom 19. Oktober 2025 erkennt man einen Trieb, der durch das Brombeerdickicht
senkrecht nach oben wächst.
Ein weiterer Baustein ihres Erfolgs sind die umschlingenden Blätter. Das nächste Bild zeigt, wie sich ihre Blattstiele mehrmals um eine abgestorbene Ranke aus dem
Vorjahr winden.
Im November 2025 stellten sich die Waldreben im Glemstal bei Ditzingen auf den Winter ein. Die Wurzeln verringerten die Wasseraufnahme, die Blätter trockneten und
die Samen reiften aus.
Mitte Januar zeigten sich die Samenstände mit ihren filigranen Flughilfen als dicht nebeneinander liegende, weiche Knäuel.
Hierbei fällt eine leicht grüne Verfärbung einiger Knäuel auf, insbesondere in Bereichen der Pflanze, die Sonne und Wind nicht direkt ausgesetzt sind.
Auf dem Foto ist die Verfärbung nur zu erahnen. Ein direkter Vergleich auf weißem Papier macht den Unterschied etwas deutlicher.
Noch klarer wird dieser, wenn einige der haarigen Flughilfen abgeschnitten und mit einem Tropfen Wasser auf einem Objektträger fixiert werden.
Unter dem Mikroskop zeigen sich kaum Unterschiede.
Bei der Mikroskopaufnahme der grünlichen Samenstände (Bild unten) weisen die feinen Härchen lediglich mehr winzige Ablagerungen auf.
Eine Erklärung, was genau die Grünverfärbung bewirkt, kann hier nicht gegeben werden. Das Mikroskop ist leider nicht leistungsfähig genug, um die Ablagerungen
genauer zu untersuchen.
Vielleicht kann ein kundiger Leser eine der folgenden Theorien bestätigen oder widerlegen.
• Ansiedlung einer Flechte: Flechten sind Symbiosen aus Alge und Pilz. Sie verbreiten sich auch über die Luft, indem winzige, staubartige Kügelchen aus
Pilzhyphen und Algenzellen ausgebildet werden (Soredien, [2]). Möglicherweise haben diese in der oft feuchten Luft in Flussnähe an den geschützten Pflanzenteilen gute Wachstumsbedingungen
vorgefunden.
• Ansiedlung eines Mooses: Moose können sich unter anderem über Sporen verbreiten. Aus einer Moosspore wächst nicht sofort ein neues Moospflänzchen.
Vielmehr bildet sich zunächst ein Vorkeim, das Protonema [3]. Dieses betreibt Photosynthese und ist grün.
• Ausbleichung: Möglicherweise sind die geschützten Pflanzenteile weniger stark vom Sonnenlicht gebleicht worden und erscheinen uns nun im direkten
Vergleich grünlicher.
• Zweistufige Ansiedlung einer Flechte: Der Pilzanteil (Hyphe) einer Flechte könnte sich in den röhrenförmigen Pflanzenteilen ausgebreitet haben. Der
Algenanteil der Flechte könnte zum Beispiel durch Tropfen von darüber stehenden Bäumen eingetragen worden sein.
Nachtrag: Die grünlichen Samenstände wurden drei Wochen bei Zimmertemperatur unter einer Klarsichtfolie feucht gehalten. Die Hoffnung, dass die Ablagerungen wachsen
und damit besser identifizierbar wären, hat sich leider nicht erfüllt. Möglicherweise sind die Zellen bei den frostigen Temperaturen abgestorben, die einige Tage vor dem Abschneiden der Proben
herrschten.
Die Fruchtblätter der Blüte formen im Herbst Samen mit 2-3 cm langen, haarigen Flughilfen. Durch Trockenheit wird der Prozess stark beschleunigt. Wie viel Zeit ist
nach Abschneiden der Scheindolde zwischen der oberen und unteren Aufnahme vergangen?
a) 8 Stunden b) 1 Tag c) 1 Woche
Antwort a) ist richtig. Tatsächlich sind nur etwa acht Stunden vergangen. Die Lagerung auf einem Fußboden mit Heizung hat die
Prozess vermutlich beschleunigt.
Die folgende Animation besteht aus sechs Aufnahmen, die während der acht Stunden in unregelmäßigen Abständen gemacht wurden.
Fotos auf dem Schild: Uwe Schmietainski (Ranken, links), Michael Mertens (Blüte und Quiz)
Fotos auf dieser Seite: Michael Mertens
[1] Gewöhnliche
Waldrebe – Wikipedia (externer Link), abgerufen am 9.12.2025
[2] Flechte –
Wikipedia (externer Link), abgerufen am 22.01.2026
[3] Protonema –
Wikipedia (externer Link), abgerufen am 27.05.2023
Michael Mertens, NABU Schwieberdingen-Hemmingen, Februar 2026