Glems

Die Glems hat sich bis zu 80 Meter unter das Niveau der umliegenden Landschaft eingegraben. Die dabei entstandenen unzugänglichen Flussschlaufen, feuchten Auen, Wälder und felsigen Hänge sind ein Glücksfall für Flora und Fauna. Die vielfältigen Lebensräume sind Zufluchtsort heimischer Arten und fördern deren Anpassungsfähigkeit.


Das Tal der Glems durchzieht das Strohgäu von Süd nach Nord. Über Jahrhunderte hat der Mensch die Wasserkraft für den Betrieb von Mühlen genutzt. Auf dem Schwemmland der Talsohle entstanden Siedlungen und Äcker. Einige Hänge wurden für den Weinanbau befestigt und wieder aufgelassen, imposante Brücken (Bundesstraße 10, Fernbahntrasse) wurden gebaut und Maßnahmen zum Hochwasserschutz umgesetzt.


Heute wird allgemein anerkannt, dass der Schutz der Tier- und Pflanzenwelt mit unserem Wohlbefinden Hand in Hand geht. Im Kleinen zeigt sich das auch im Glemstal. Naturdenkmale und Biotopflächen wurden ausgewiesen, dem Fluss wurde Raum zugestanden, und die Bewahrung des lokalen Ökosystems ist Ziel vieler engagierter Bürger, Gemeinden und Naturschutzverbände.

 


Warum fließt auch Wasser aus dem Strudelbachtal und dem Bodensee in der Glems?


Viele Zuflüsse der Glems sind zeitweise ausgetrocknet. Der geringe Anteil an Eigenwasser wird um stark wetterabhängiges Oberflächenwasser und konstante Einleitung von Brauchwasser aus den Kläranlagen ergänzt. Über die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung fließt in der Glems daher ein beachtlicher Teil aufbereitetes Wasser aus entfernten Quellen.


Konkret können hier die Orte Hemmingen und Heimerdingen genannt werden, die an das Wasserwerk im benachbarten Strudelbachtal angeschlossen sind [1], [2]. Ihre Abwässer entsorgen sie über das Gruppenklärwerk Talhausen bzw. das Klärwerk Ditzingen in die Glems [3], [4].


Die Stadt Korntal-Münchingen bezieht ihr Trinkwasser von der Strohgäu-Wasserversorgung und klärt in Ditzingen und Talhausen [5].


Andere Gemeinden im Einzugsgebiet der Glems sind ebenso an die Strohgäu-Wasserversorgung angeschlossen. Der Zweckverband Strohgäu-Wasserversorgung wird von der Landeswasserversorgung und Bodenseewasserversorgung beliefert.

 

 

 

Das Foto zeigt die Glems kurz vor der Mündung in die Enz. Zum Zeitpunkt der Aufnahme an einem kalten Novembermorgen führte der Fluss wie so oft nur wenig Wasser.

 

Quiz

 

Frage 1: Wie viele Mühlen gibt oder gab es an der Glems?


a) weniger als zehn
b) zehn oder mehr


Frage 2: Wie viele Klärwerke liegen direkt am Fluss?


a) weniger als zehn
b) zehn oder mehr


Frage 3: Ihr seht in unmittelbarer Nähe unserer Info-Tafel eine zweite Brücke. Welches Gewässer fließt darunter?


a) Abfluss des Gruppenklärwerks Ditzingen 
b) Mühlkanal der Stumpenmühle 
c) Räuschelbach aus Münchingen

 

Auflösung

Frage 1: Antwort b) ist richtig. An der Glems gibt und gab es deutlich mehr als zehn Mühlen.
Die Stadt Leonberg weist in ihrem Flyer zum Glemsmühlenweg 19 Mühlen aus. Die Broschüre des Landkreises Ludwigsburg und die Informationstafeln entlang der Glems zählen 18.

 
Die Hagmühle, an der unser Naturpfad vorbeiführt, wird im 12. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt. Vermutlich gab es weitere Mühlen, die längst vergessen sind.


Nicht eindeutig ist zudem, was unter den Begriff Mühle fällt. Gehört die Felsensägmühle bei Leonberg oder die ehemalige Hammerschmiede bei Talhausen auch dazu? Auch diese wurden mit der Kraft des Wassers betrieben.


Frage 2: Antwort a) ist richtig.
Direkt an der Glems liegen drei große Klärwerke: Höfingen, Ditzingen und Talhausen bei Markgröningen.
Auch hier müsste die Fragestellung präzisiert werden, um eine genaue Zahl zu nennen. So entsorgt zum Beispiel auch das Klärwerk des bei Büsnau ansässigen Instituts für Siedungswasserbau, Wassergüte- und Abfallwirtschaft der Universität Stuttgart sein Wasser über den Katzenbach indirekt in die Glems.

 

Frage 3: Antwort b) ist richtig.
Unser Naturpfad überquert den Mühlkanal zur Stumpenmühle. Ein weiterer Mühlkanal zweigt am Wehr bei der Glemsbrücke unterhalb der Nippenburg zur Hagmühle ab.
Für Tiere sind die „Inseln“ zwischen Fluss und Mühlkanal ein besonders wertvoller Ruheort. 

 

Fotos und Grafik

 

Foto auf dieser Seite: Michael Mertens


Fotos auf dem Schild: Uwe Schmietainski, Michael Mertens


Grafik auf dem Schild: Michael Mertens, erstellt mit Daten von OpenStreetMap

(openstreetmap.org/copyright)

 

Literatur

 

[1] Strohgäu Wasserversorgung - Trinkwasser(externer Link), aufgerufen am 06.03.2026

 

[2] Stadtwerke Ditzingen - Wasser (externer Link), aufgerufen am 06.03.2026

 

[3] Landratsamt Ludwigsburg - Abwasser (externer Link), aufgerufen am 06.03.2026

 

[4] Abwasserzweckverband Gruppenklärwerk Talhausen – Das Einzugsgebiet (externer Link), aufgerufen am 06.03.2026

 

[5] Stadt Korntal-Münchingen - Wasserqualität (externer Link), aufgerufen am 06.03.2026

 

[6] Flyer der Stadt Leonberg: Der Glemsmühlenweg (externer Link), aufgerufen am 06.03.2026

 

[7] Broschüre des Landkreises: 2023_LKLB_Glemsmuehlenweg_web.pdf (externer Link), aufgerufen am 06.03.2026

 

 

Michael Mertens, NABU Schwieberdingen-Hemmingen, März 2026