Unseren Text für das Nachrichtenblatt der Gemeinde vom 05.03.2026 zum geplanten neuen Industrie- / Gewerbegebiet hat die Gemeinde Schwieberdingen stark reduziert.
Wir sehen dies als stilles Kompliment an seiner Treffsicherheit.
Hier könnt Ihr den vollständigen Text lesen.
Wir Schwieberdinger und Hemminger leben in einer hochindustrialisierten Region- Metropolregion Stuttgart könnte man sie vielleicht nennen. Viele Interessen treffen hier aufeinander. Die Region
Stuttgart sucht Industriegebiete, Landwirtschaft versucht sich auf einem der besten Böden Deutschlands zu behaupten, Autos brauchen Straßen und Parkplätze, Menschen suchen bezahlbaren Wohnraum
sowie Ruhe und Erholung in der Natur.
Mittendrin die Diskussion: ein interkommunaler Industrie und Gewerbeschwerpunkt des Großraums Stuttgart auf gutem Strohgäuboden?
Das Vorhaben hat bereits eine längere Geschichte.
- 2014
Der Gemeinderat Schwieberdingen beschließt eine 45 ha große Fläche zwischen Bosch und ICE-Strecke als Gewerbegebietsfläche auszuweisen (5 ha für gemeindeansässige Unternehmen, 17 ha für
Bosch-Erweiterung, 23 ha optional für ein interkommunales Gewerbegebiet).
Unsere NABU-Ortsgruppe lehnt diese Planungen 2014 in einer Stellungnahme entschieden ab. Das Vorhaben versiegelt die besten Böden Deutschlands, nimmt vielen Arten die Lebensgrundlage,
verschlechtert die Luft, die Entwässerung ist nicht gesichert, es droht Gefahr für unser Wasser.
- 2019
Nach einer Anfrage von Porsche 2018, eine Fläche von 15 ha für Zulieferer zu erwerben, kommt es zum Bürgerentscheid.
Die Argumente von 2014 gegen ein neues Gewerbegebiet sind nach wie vor gültig. Hinzu kommen Zweifel an der Wirtschaftlichkeit. Der NABU wirbt mit 10 guten Gründen, die Flächen als Ackerflächen zu
belassen.
Der Bürgerentscheid geht erstaunlich knapp aus: 57% für den Gewerbeschwerpunkt, 43% dagegen. Der NABU akzeptiert den Ausgang des Bürgerentscheids.
Enttäuschend: Kurz nach der Abstimmung erklärt Porsche seinen Abschied von Schwieberdingen und den Verzicht auf die Flächen.
- 2026
Die Gemeinde Schwieberdingen greift die Planung erneut auf. Der Vorentwurf des Bebauungsplans liegt im Februar aus.
Auch ehemalige Befürworter zweifeln mittlerweile an dem Vorhaben. Möglingen, das ursprünglich mit für das Gewerbegebiet in Schwieberdingen vorgesehen war, ist nicht mehr dabei.
Aus ökologischer Sicht ist das Vorhaben weiterhin abzulehnen. Keines unserer Argumente konnte von der Planungsseite bisher ausgeräumt werden.
Die wirtschaftliche Sicht?
Porsche entlässt überall Mitarbeiter und baut Standorte ab, Porsche kommt sicher nicht. BOSCH hat erklärt, keine Erweiterungsfläche zu wollen. BOSCH plant 1/3 der Stellen in Schwieberdingen (ca.
1200 Mitarbeiter) abzubauen. KNORR-Bremse mit 300 Mitarbeitern hat gerade Schwieberdingen verlassen. Im momentanen Industriegebiet stehen Gewerbeflächen leer.
Die Kassen sind knapp. Die Gemeinde Schwieberdingen spart am Jugendhaus und der Bibliothek und kürzt Personal. Die Musikschule darf keine Kinder mehr neu als Schüler aufnehmen.
Ist es in solchen Zeiten sinnvoll und verantwortbar, einen dreistelligen Millionenbetrag (laut LKZ) in die Erschließung von neuen Gewerbeflächen zu investieren? Wäre es nicht besser, billiger und
ökologisch sinnvoller, das bestehende Gewerbegebiet zu entwickeln?
Der Vorentwurf des Bebauungsplans weist erhebliche Lücken und Fehler auf. Wir haben Stellung genommen: