Streuobstwiese

 

                                      

Wie ist der Streuobstanbau einst entstanden?

 

Die Anfänge des Obstbaus reichen in die Urzeit zurück, als Wildformen von Apfel, Birne, Kirsche, Pflaume und Walnuss genutzt wurden. Die Römer brachten den Obstbau vor 2000 Jahren mit Kulturformen nach Deutschland. Damals entstanden erste Obstgärten am Rande der römischen Villen.

 

Erst ab dem 16. Jahrhundert entstanden in Teilen des heutigen Deutschlands „Streuobstwiesen“, also nennenswerte Anpflanzungen von Hochstamm-Obstbäumen. Als Standorte dienten damals weitgehend die gärtnerischen Anlagen rund um Städte und Dörfer. Im 30jährigen Krieg wurden Obstbäume häufig gezielt vernichtet, da hiermit eine wichtige Nahrungsgrundlage der feindlichen Bevölkerung auf Jahrzehnte zerstört wurde.

 

Nach ersten „landesherrlichen Edikten“ im 17. Jahrhundert erfolgte im 18. und 19. Jahrhundert die weite Ausbreitung des Streuobstbaus in klimatisch günstigen Gebieten - häufig auf herrschaftlichen Zwang hin. Obstbaumpflanzungen wurden entlang von Wegen, an Äckern und in Weinbergen vorgenommen. Zunächst gab es regelrechte „Baumäcker“ mit zusätzlichem Anbau von Getreide und Hackfrüchten unter den Obstbäumen. Erst als unter den Bäumen nur noch einfache Grünlandnutzung stattfand, entwickelten sich die Streuobstwiesen im heutigen Sinn.

 

Schon gewusst?

 

1975 wurde das Wort „Streuobstwiese“ vom Vogelkundler Dr. Bruno Ullrich in die deutsche Sprache eingeführt.  Er beschrieb den Zusammenhang zwischen dem Rückgang der Streuobstwiesen und dem damit verbundenen Rückgang charakteristischer Vogelarten, wie z.B. des Steinkauzes oder des Rotkopfwürgers.

 

Trotz intensiver Bemühungen für den Erhalt der Streuobstbestände können seit ca. 1960 eine Überalterung und ein Rückgang der Bestände beobachtet werden. Die Ursachen dafür sind vielfältig. Rodungen für neue Baugebiete stellen die größte direkte Gefahr für Streuobstbestände in Baden-Württemberg dar. Streuobstgürtel um Gemeinden und Städte fielen in erheblichem Umfang neuen Wohn- und Gewerbegebieten, dem Straßenbau oder der Flurbereinigung zum Opfer.

Ein weiterer Grund ist die sinkende Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe, die Verwendung für das auf Streuobstwiesen gewonnene Futter haben. Damit verlieren die Streuobstwiesen zunehmend ihre Bedeutung für die Grünfuttergewinnung oder als Viehweide. In der Folge verbuschen die Flächen immer mehr bis hin zur Verwaldung ganzer Hänge. Hinzu kommen die geringere Wirtschaftlichkeit des Produktionssystems, die verhältnismäßig aufwändige Pflege der Bäume und Wiesen sowie die altersbedingt zurückgehende Zahl der Bewirtschaftenden.

 

Nur wenige Biotope machen die enge Vernetzung von Natur, Landschaft, Kultur und Ernährung so deutlich wie die Streuobstwiesen. Als Kulturlandschaft sind ihre traditionellen Nutzungsformen vorbildlich an Boden, Klima und Gelände angepasst. Ihre nachhaltige Nutzung dient nicht nur der Produktion gesunder Nahrungsmittel, sondern befördert zudem eine langsame Grundwasserbildung, schützt vor Erosion an Hanglagen und dient der Frischluftproduktion.

 

Spaß und Genuss kommen dank knackigem Obst, naturtrübem Apfelsaft, Most oder auch Obstbrand nicht zu kurz.

 

Quiz mit Auflösung:

 

1.      Wie viele Lebewesen (Tiere, Pflanzen und Pilze) tummeln sich ungefähr auf einer         

       Streuobstwiese?

 

 

a)    500                        b)  5 000                     c)  50 000

 

Richtig ist b)
Die Streuobstwiese bietet für ungefähr 5.000 Tier-, Pflanzen- und auch Pilzarten einen Lebensraum, darunter unzählige Insektenarten und Vögel.

 

 

2.      Was frisst der Grünspecht, ein typischer Bewohner einer Streuobstwiese, am liebsten?

 

a) Ameisen                 b)  Früchte                 c) Käfer

 

Richtig ist a)
Der Grünspecht schlägt mit seinem langen Schnabel Löcher in Ameisennester, die sich im Boden oder in weichen Baumstümpfen befinden. Mit seiner Zunge, einem hochempfindlichen Tastorgan, dringt er in die Ameisengänge ein. Gefundene Ameisen, deren Larven und Puppen fängt er mit seiner klebrigen Zunge und frisst sie.

 

Fotos auf dem Schild:

 

 1) Apfelblüte, Uwe Schmietainski

 2) Eisvogel, Foto Dr. Thomas

 3) Habitatbaum, Yvonne Roscher

 

Quellen:

  

NABU, Wie ist der Streuobstanbau einst entstanden? - Den Römern sei Dank, Zur historischen Entwicklung des Streuobstanbaus
https://www.nabu.de/natur-und-landschaft/landnutzung/streuobst/streuobstwissen/02359.html, aufgerufen 18.01.2026

 

NABU, Streuobst: Wichtige Infos auf einen Blick:
https://baden-wuerttemberg.nabu.de/natur-und-landschaft/landwirtschaft/streuobst/index.html; aufgerufen 27.01.2026

 

NABU, Was ist Streuobstbau?
https://www.nabu.de/natur-und-landschaft/landnutzung/streuobst/streuobstwissen/streuobstbau.html#:~:text=Streuobstbau%20ist%20eine%20Form%20des,%E2%80%9Everstreut%E2%80%9C%20in%20der%20Landschaft, aufgerufen 18.01.2026

 

Bundesamt für Naturschutz: Schon gewusst? Einführung „Streuobstwiese“ in deutsche Sprache
https://bfn.bsz-bw.de/frontdoor/deliver/index/docId/1746/file/Schrift679.pdf, aufgerufen 18.01.2026

 

NABU, Streuobstwiesen in Gefahr
https://baden-wuerttemberg.nabu.de/natur-und-landschaft/landwirtschaft/streuobst/streuobstwissen/06375.html, aufgerufen am 29.01.2026

 

Quiz, Lebewesen auf Streuobstwiese
https://www.nabu.de/natur-und-landschaft/landnutzung/streuobst/index.html, aufgerufen am 20.01.2026

 

Quiz, Specht
https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/vogel-des-jahres/2014-gruenspecht/16254.html, aufgerufen am 18.01.2026

 

 

Yvonne Roscher, Projektleiterin Naturpfad Mittleres Glemstal, NABU Schwieberdingen-Hemmingen, Februar 2026