Geologie

 

               

Geologie des Glemstals

 

Betrachten Sie die Landschaft rund um die Nippenburg. Was sehen Sie? Wie kommt es, dass die Landschaft so ist, wie wir sie sehen?

Zum einen erkennen wir eine starke Prägung durch den Menschen. Wir befinden uns in einer hoch industrialisierten Region - Metropolregion Stuttgart könnte man sie nennen. Siedlungen, Verkehr, Gewerbe, Landwirtschaft, Freizeit - das alles verändert die Landschaft. Wir finden Fürstengräber aus der Keltenzeit, erleben Burgen aus dem Mittelalter, spielen auf einer heutigen Golfplatzlandschaft. 

Dazwischen finden wir Natur mit erstaunlich vielfältigen Naturschätzen.  Warum wächst hier Wald, andererorts finden wir Äcker, dort wieder Halbtrockenrasen mit Karthäusernelke? Großen Einfluss hat das Klima. Anderes verstehen wir erst, wenn wir uns die Geologie unserer Landschaft ansehen. 

 

Das südwestdeutsche Schichtstufenland

 

Baden-Württemberg gehört zum Südwestdeutschen Schichtstufenland. Im Prinzip kann man sich das Schichtstufenland wie aufgefächerte Spielkarten vorstellen. Geologie denkt in Millionen von Jahren. Im Laufe der Geschichte bildeten sich verschiedene Schichten. Diese wurden durch den Einbruch des Oberrheingrabens schräg gelegt und aufgefächert. 

 

Grafik Hildegard Gölzer, nach Hutter (Lit1)

Daher finden wir bei uns auf kleinem Raum völlig unterschiedliche geologische Gegebenheiten, je nachdem welche Gesteinsschicht oben liegt. Im Schwarzwald stehen Granit und Gneis an, Gestein, das eigentlich unten liegen müsste. Muschelkalk bildet die Grundlage der Gäulandschaften. Dort, wo während der Eiszeit Löß aufgetragen wurde, wie im Strohgäu, ist der Boden sehr fruchtbar.  Am nördlich gelegenen Stromberg kann man den etwas weniger fruchtbaren Keuperstufenrand mit seinen Weinbergen und Streuobstwiesen erkennen, während die Höhen des Keupers oft bewaldet sind.


Die Gesteine des Glemstals

 

Wandern wir vom Standpunkt dieses Schilds hinunter ins Glemstal, steigen wir auf steilem Pfad etwa 60 Höhenmeter bergab. 
Gleichzeitig durchqueren wir etwa 4 Millionen Jahre Erdgeschichte (Lit 5) . 
Auf der Hochebene (im Rücken zu uns), steht Keuper an mit einer kleinen Schicht Löss auf der Höhe. Früher wurden die Äcker vom Hofgut Mauer bewirtschaftet. Heute befindet sich hier der Golfclub Schloss Nippenburg, eine Achtzehn-Loch-Anlage.

 

Grafik Hildegard Gölzer, nach Eisenreich (Lit 2)

Zur Glems hin durchschneidet der Fluss die Schicht des Oberen Muschelkalks
Wie entstand diese Gesteinsschicht? Vor etwa 240 Millionen Jahren (*) bedeckte ein Meer Süddeutschland. Das Meer war flach, das Klima wüstenartig. Das Wasser verdunstete rasch, es schied Kalke und Gips aus. Beides lagerte sich als Sediment am Meeresboden ab. Unzählige abgestorbene Tiere und Pflanzen sanken in diesen Kalkschlamm. Sie können heute als Fossilien gefunden werden. 

Die oberste Schicht des Oberen Muschelkalks wird Trigonodusdolomit genannt. In dieser Schicht kommt das Fossil der Muschel Trigonodus sandbergeri vor. Unter dem Trigonodusdolomit liegt die Schicht des Ceratitenkalks, benannt nach dem Fossil des Ceratites nododus. Der harte Ceratitenkalk bildet die steilen Abhänge der Glems. In die unsterste Schicht des Oberen Muschelkalks, den Trochitenkalk, hat sich die Glems unterhalb des Sporns der Nippenburg noch wenige Meter tief eingesägt. Versteinerungen der Seelilie Encrinus liliiformis könnten hier gefunden werden, hauptsächlich aber ihre Stengelglieder, die Trochiten.

 

Diese Versteinerungen könnten Sie finden auf Ihrem Weg zur Glems (aus Lit 3, S. 13): 
Muschel Trigonodus sandbergeri, Kopffüßer Ceratides nodosus, Seellilie Enricus liliiformis

 

 Dazwischen findet man stellenweise auch die Spiriferinabank, wie z.B. am Aufschluss Bockländer in Schwieberdingen.
(Foto Dr. Thomas Gölzer)

 

Welche Bedeutung hat es, dass das Tal sich in die Schichten des Oberen Muschelkalks einschneidet? Kalkstein ist wasserdurchlässig, vor allem wo es zu Verwerfungen kommt. Wasser versickert. Haben Sie schon gewusst: Die Glems führt etwa ein Drittel weniger Wasser, als es ihrem Wasserzufluss entsprechen würde. Die Zuflüsse der Glems fallen mit wärmer werdendem Klima zunehmend trocken. Die Wassernot sorgt für Probleme, z. B für den Feuersalamander. Trocken und warm liebende Pflanzen gedeihen jedoch. So können wir im Glemstal und in den Seitentälern Halbtrockenrasen mit Pflanzen wie Karthäusernelke und Küchenschelle finden.

 

Quiz

 

Welche Versteinerungen können an der Glems am Fuß der Nippenburg gefunden werden?
a) versteinertes Holz    b) das Fossil der Muschel Trigonodus sandbergeri    c) Dinosaurierfußabdrücke

Korrekte Antwort: b

 

Grafiken und Foto auf dem Schild:

 

1)    Grafiken Südwestdeutsches Stufenland und Geologie um die Nippenburg, Hildegard Gölzer,

        nach Lit 1 und Lit 2 (nicht maßstabsgetreu)
2)    Foto Dr. Thomas Gölzer, Versteinerung am Aufschluss Bocksländer Schwieberdingen aus der

        fossilführenden Spiriferinabank des Oberen Muschelkalk, 03.12.2006

 

Literatur:

1)    Andreas Braun, Claus-Peter Hutter, „Deutschlands wilder Süden, Naturerlebnisland Baden-

        Württemberg“ 2014, Theiss-Verlag, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt
2)    Helmut Eisenreich, „Zur Geologie der Hemminger Gemarkung“ in „Heimatbuch Hemmingen“,

        Herausgeber Gemeinde Hemmingen, Geiger-Verlag, Horb am Neckar, 1. Auflage, 1991
3)    Johannes Wagner, „Erd- und Landschaftsgeschichte des Glemstals“, Ein Wanderbegleiter von                der Quelle bis zur Mündung, Selbstverlag Stuttgart 2016, 2. Auflage
4)    „Unser Land Baden-Württemberg“, Herausgeber Ernst W. Bauer, Rainer Jooß, Hans Schleuning,            Theiss-Verlag, 1986
5)    geologie-digital.de/trias/muschelkalk.html (externer Link), erstellt am: 09.07.2023 / letzte

        Änderung am: 13.07.2023, abgerufen am 5.12.2025
6)    Christine Stier, Hermann Behmel, Uli Schollenberger, „Wüsten, Meere und Vulkane, Baden-             

        Württemberg in Bildern aus der Erdgeschichte“, Peter-Grohmann-Verlag Stuttgart, 2002
7)    Geologische Karte von Baden-Württemberg, 1:50 000, Blatt Stuttgart und Umgebung, Landesamt

        für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg, Freiburg i.Br. 1998
(*) Anm.: Die in Lit 3 abgedruckte Zahl 215 Millionen Jahre weicht von den anderen Quellen ab


Hildegard Gölzer, Sprecherin NABU Schwieberdingen-Hemmingen, Februar 2026