Tierspuren sind zunächst schwer zu entdecken. Noch schwerer fällt es Ungeübten, sie zu deuten.
Doch hat man einmal mit der Suche nach ihnen begonnen, trainiert sich die Mustererkennung über die Augen unglaublich
schnell, und bald erkennt man überall Indizien für die Anwesenheit von Tieren.
Abdrücke im Schnee oder weichen Grund, die sogenannten Trittsiegel sind eine Art der Spuren.
Häufiger findet man Fraß- und Duftspuren, Kot, Federn, Haare, Hautreste, Schalen, Schleim, Nester, Spinnennetze oder
Anzeichen von Wildwechseln, Schlaf- oder Balzplätzen.
Biologen, Jäger und Fährtenleser nutzen spezialisierte Verben für die Bewegung von Tieren, die in der Alltagssprache kaum Verwendung finden.
So „schnürt“ ein Fuchs, wenn er trabend in leichtem Gang seine Pfoten in einer Linie setzt. Dabei berührt der Hinterfuß
auf der Stelle des Vorderfußes den Boden, so dass die Abdrücke im Spurbild übereinander liegen.
Ein Reh oder Hirsch „zieht“, wenn es sich ruhig und stetig fortbewegt. In den Abdrücken liegen die beiden Schalen
(Hauptzehen) der Paarhufer dann eng beieinander. Flüchten diese Tiere, spreizen sich die Schalen beim Sprung, die Spur ist unregelmäßiger und der
Abstand zwischen den Trittsiegeln größer.
Durch die Beobachtung der Natur etablierten sich in allen Sprachen der Welt zahlreiche Tätigkeitsworte für das Vorankommen von Tieren einschließlich des Menschen.
Die Bewegungsverben vermitteln mit wenigen Silben nicht nur eine Beschreibung der Eigenbewegung (rennen, hinken) sondern
auch den mentalen Zustand (schlendern, stolzieren) oder das Ziel (davonlaufen, durchstreifen).
Aufgrund der Ähnlichkeiten im Körperbau und Bewegungsablauf übertragen wir dabei gerne menschliche Gefühle auf Tiere.
Umgekehrt nutzen wir Verben aus der Tierwelt, um außergewöhnliches Verhalten unserer Mitmenschen zu beschreiben (traben, watscheln, hoppeln).
Die unglaubliche Vielzahl der Tätigkeitswörter für die Eigenbewegung könnt ihr über das Projekt Wortschatz der Universität Leipzig erkunden. Gebt einfach ein Verb in die Suchmaske ein.
Aufgeschlüsselt in Bedeutungsgruppen erhaltet ihr Synonyme und Beispiele, in welchem Kontext das Verb verwendet
wird.
Frage 1: Mit einem großen Schritt legt ein Erwachsener etwa einen Meter zurück. Ein kleines Kind benötigt dafür zwei Schritte, eine Maus über 50 und eine Ameise über 500.
Wie viele Schritte zählt ihr bis zum nächsten Schild oberhalb der Stumpenmühle? Schätzt damit die Entfernung. Die
Auflösung erfahrt ihr dort.
Frage 2: Ein tapferer, kleiner Frosch hat den gesamten Naturpfad absolviert. Auf welchen Schildern findet ihr seine Abdrücke?
Frage 1: Vom Schild „Tierspuren“ bis zum Schild „Wilde Möhre“ sind es 280 m. Je nach Körpergröße geht ein Mensch dafür zwischen 280 und 560 Schritte. Sei froh, dass du keine Ameise bist. Sie würde sich bei weit über 100.000 Schritten bestimmt verzählen.
Forscher haben herausgefunden, dass einige Ameisenarten unter anderem über die Anzahl der Schritte von einer Futterquelle zu ihrem Nest zurückfinden [4]. Den genauen Prozess des Zählens müssen die Forscher jedoch erst entschlüsseln.
Frage 2: Die Abdrücke des kleinen Froschs findet ihr auf folgenden Schildern.
Wie wir erst kurz vor der Eröffnung bemerkt haben, hat neben dem Frosch auch ein anderes quakendes Tier zwei Abdrücke auf einem Schild des Naturpfads hinterlassen. Wir gehen davon aus, dass niemandem diese unscheinbaren Tapser auffallen werden, und sehen von einem erneuten Druck des Schildes ab. Solltet ihr die Spur dennoch entdecken, schreibt uns eine E-Mail oder hinterlasst eine kurze Notiz in unserem Büchlein an der Nippenburg. Aber verratet nicht, auf welchem Schild ihr die Abdrücke gefunden habt.
Grafik: M. Mertens, erstellt mit Hilfe von Inkscape. Die Spuren sind nicht maßstäblich wiedergegeben.
[1] Projekt „Tiere Live“ der Bayerischen Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege:
https://www.anl.bayern.de/projekte/tierelive/inhalte.htm (externer Link), aufgerufen am 21.02.2026
[2] Beobachtungen von Martin Gebhardt: https://survival-kompass.de/tierspuren/ (externer Link), aufgerufen am 21.02.2026
[3] Übersicht zu Tierspuren vom Deutschen Jagdverband:
https://www.jagdverband.de/sites/default/files/Faehrten-und-Spuren_2015_RZ-vs.pdf (externer Link),
aufgerufen am 21.02.2026
[4] Polarisation des Sonnenlichts und Schrittzähler: Wie Waldameisen navigieren
Welt der Physik (externer Link), aufgerufen am 21.02.2026
[5] Trittsiegel –
Wikipedia (externer Link), aufgerufen am 30.12.2025
[6] Wortschatz Leipzig (externer
Link), aufgerufen am 21.02.2026
Michael Mertens, NABU Schwieberdingen-Hemmingen, Februar 2026