Brennnesseln (Urtica) sind anspruchslose Gewächse. 30 bis 70 Arten kommen weltweit vor.
In Deutschland finden wir die Große Brennnessel (Urtica dioica), die Kleine Brennnessel (Urtica urens)
sowie selten die Röhricht-Brennnessel (Urtica kioviensis) und die Pillen-Brennnessel (Urtica pilulifera). Im feuchten schattigen Tal der
Glems bilden Große Brennnesseln einen regelrechten “Brennnesselwald”.
Brennnesseln (Urtica) zeigen zwei Gesichter:
Auf Blättern und Stiel befinden sich Brennhaare. Diese Brennhaare wirken als
Schutzmechanismus gegen Fressfeinde. Beim Menschen entstehen bei Berührung der Brennhaare auf der Haut schmerzhafte
Quaddeln.
Trotz der Brennhaare bieten Brennnesseln unzähligen Insekten wichtigen Lebensraum. Sie sind Raupenfutterpflanze für mehr
als dreißig heimische Falterarten, darunter Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs und Admiral. Menschen dient sie als gesundes
Lebensmittel und als Heilpflanze.
Die Benediktinerin Hildegard von Bingen (1098-1179) gilt als Ausnahmeerscheinung in der Geschichte. Sie beobachtete die Natur genau. Sie schrieb Werke über Religion, Medizin, Kosmologie, Musik und vieles mehr. In ihrem Buch “Naturkunde” (Lit 1, S. 37) lesen wir:
“De Urtica. Die Nessel ist sehr warm. Roh taugt sie wegen ihrer Rauheit nicht zur Speise, wohl dagegen gekocht, weil sie
den Magen reinigt und Schleim abführt. …”
Sie beschreibt weiter, wie man ihren Saft bei Wurmbefall heilsam nutzen kann, sowie -vermischt mit Olivenöl- als Mittel zum
Einreiben bei Vergesslichkeit.
In der Zeit, in der sie lebte, wurden rohe Speisen (vermutlich damals aus hygienischen Gründen sinnvoll) selten zu sich
genommen.
Heute wissen wir, dass Brennnesseln - richtig behandelt - auch roh sehr wertvoll sind. Als Frühjahrsgemüse werden die
jungen Brennnesseltriebe wegen ihres hohen Gehalts an Flavonoiden, Mineralstoffen wie Magnesium, Kalzium und Silizium, Vitamin A und C
(etwa doppelt so viel Vitamin C wie Orangen), Eisen, aber auch wegen ihres hohen Eiweißgehalts geschätzt. Die
Brennnessel wird heute in der Rheumatherapie eingesetzt.
Möglichkeit 1)Man streift sie “mit dem Haarstrich gehend“(also von unten nach
oben) ab.
Möglichkeit 2) Man wickelt sie in ein Tuch und wringt stark.
NABU-Mitglied Manfred Herda führte viele Jahre beliebte Kräuterführungen mit
anschließender Verköstigung für den NABU durch. Von ihm stammt folgendes Rezept:
Man nehme:
1) Quark, 40%, soviel wie benötigt
eine große Hand voll Knoblauchschnittlauch, Wiesenschaumkraut und Knoblauchgrün
die Kräuter waschen und klein schneiden, unter den Quark rühren; alles mit etwas Salz und Pfeffer abschmecken
2) 1 Pfund Butter
eine große Handvoll Brennesseln, ein klein wenig Gundermann und etwas Zitronenmelisse
Die Brennnesseln waschen und abstreifen (damit sie nicht mehr brennen). Klein schneiden und mit der Butter
vermischen.
3) Dazu ein gutes frisches Brot. Fertig ist ein köstliches Mahl.
Sie kennen diese Kräuter nicht?
➔ Lassen Sie sich diese von einem Fachmann zeigen
Video M. Mertens
Wie lange dauert die Lausgeburt? Etwa
a) 10 sec b) 1 min c) 10 min
Korrekte Antwort: c
Als Brennnessel-Brühe ist die Wildpflanze ein probates Mittel gegen Blattläuse und Milben.
1) Prachtlibelle auf Großer Brennnessel; Glemstal, 2025, am Standort des Schilds,
Foto Hildegard Gölzer
2) Raupe des Tagpfauenauges (Inachis io) auf Brennnessel, Glemstal, 2009,
Foto Dr. Thomas Gölzer
3) Waffenfliege (Clitellaria ephippium) auf Brennnessel, Glemstal, 2025,
Foto Hildegard Gölzer
4) C-Falter (Polygonia c-album) auf Brennnessel, Glemstal bei der Hagmühle, 2005,
Foto Dr. Thomas Gölzer
1) Hildegard von Bingen, „Naturkunde- Das Buch vom inneren Wesen der verschiedenen Naturen in der Schöpfung“, veröffentlicht im Verlag Otto Müller, Salzburg, 1959
2) Zeitschrift „Heilkraft Natur“, Nr. 4/2025; S. 66
3) https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/pflanzen/pflanzenportraets/wildpflanzen/22950.html
( externer Link), abgerufen am 27.11.2025
4) https://de.wikipedia.org/wiki/Brennnesseln(externer Link), abgerufen am 27.11.2025
5) https://www.zentrum-der-gesundheit.de/ernaehrung/nahrungsergaenzung/heilpflanzen/brennnessel-blaetter(externer
Link)abgerufen am 27.11.2025
Hildegard Gölzer, Sprecherin NABU Schwieberdingen-Hemmingen, Februar 2026