Erosion ist ein zentraler Bestandteil geologischer Prozesse. Im Kontext eines Flusses bedeutet dies vor allem die Abtragung des Uferbodens durch die Kraft des
Wassers. Zulaufende Bäche bringen Material aus der Umgebung ein. Neue Flussläufe entstehen, alte werden abgeschnitten und mit Sedimenten aufgefüllt.
Durch die Veränderung der Landschaft entstehen ökologische Nischen, an die sich die Lebewesen anpassen müssen. Die Erosion ist daher eine entscheidende Triebfeder
der Evolution.
Seit den 1950er Jahren wurden durch die enorme Bautätigkeit im gesamten Einzugsbereich der Glems sehr große Acker- und
Wiesenflächen versiegelt. Die Menge an schnell abfließendem Oberflächenwasser bei Niederschlägen wurde vervielfacht. Gleichzeitig wurden die Entfaltungsmöglichkeiten des Flusses eingeschränkt.
Bei Extremniederschlägen entsteht eine sehr starke Strömung, die das Flussbett ausschwemmt und dabei immer tiefer eingräbt. Auch der Uferbewuchs kann auf Dauer wegen Unterspülung nicht
standhalten.
In Folge mehrerer Hochwasserereignisse (siehe [1], [2]) wurden wirksame Strategien für integrierten Erosionsschutz umgesetzt (siehe [3], [4]), von denen auch die
Tier- und Pflanzenwelt profitiert.
· Ökologisch: Dichte Vegetation und naturnahe Gestaltung reduzieren die
Fließgeschwindigkeit.
· Technisch: Rückhaltebecken bei den Zuflüssen und Bauwerke zur Strömungslenkung -
insbesondere um Industrie- und Kläranlagen - verhindern Verunreinigungen des Flusses bei
Hochwasser.
· Landschaftlich: Ein gutes Flächenmanagement vermeidet kahle Böden in der Umgebung.
Starkregenereignisse werden abgemildert.
Eine Folge der Erosion traf unsere alte Info-Tafel „Starke Erosion“. Bis November 2025 stand diese nahe der Stelle des heutigen Schilds an der Außenseite der Flusswindung.
Während eines Sturms ist ein Baum (a) am gegenüberliegenden Ufer umgekippt und hat einen weiteren (b) abgeknickt, wodurch auch das Schild getroffen wurde. Vermutlich konnten die unterspülten Wurzeln dem Baum keinen ausreichenden Halt mehr geben.
Das Foto wurde Anfang Dezember 2025 von etwas weiter rechts aufgenommen. Die über den Weg gefallenen Bäume waren bereits geborgen und liegen teilweise an der Seite. In der Bildmitte ist der Pfosten des alten Schildes (c) erkennbar, am Ufer gegenüber der ehemalige Ort des Wurzelballens (d).
Sicherheitshalber hier ein Foto des neuen Schildes. Man weiß nie, wann die Erosion wieder zuschlägt.
An einer Glemsbiegung in der Nähe sind durch Erosion unterschiedliche Mikrohabitate entstanden.
Frage 1: Welche Tiere bauen Nester im festen Steilufer?
a) Eidechsen b) Eichhörnchen c) Eisvögel
Frage 2: Welche Tiere jagen auf flachen Kiesflächen?
a) Libellen b) Kaninchen c) Spechte
Frage 3: Welche Tiere nutzen unterspülte Wurzeln als Schutzraum?
a) Füchse b) Graureiher c) Fische
Frage 1: c)
Frage 2: a)
Frage 3: c)
Foto auf dem Schild: Uwe Schmietainski
Fotos auf dieser Seite: Michael Mertens
[1] Eindrücke vom Hochwasser 2010 https://nabu-schwieberdingen-hemmingen-archiv.de/wanderungen/2010-07-si-he.htm (externer Link),
aufgerufen am 03.03.2026
[2] Hochwasserereignisse an der Glems aus Sicht der Lahrensmühle bei Leonberg
https://web.archive.org/web/20190421004512/http://www.lahrensmuehle.de/wasseranlage/52-hochwasser-an-der-glems.html (externer
Link), aufgerufen am 03.03.2026
[3] Maßnahmen zum Hochwasserschutz seit der Überschwemmung im Jahr 2010
https://www.starkregengefahr.de/baden-wuerttemberg/glems (externer Link), aufgerufen am 03.03.2026
[4] Hochwasserschutz in Ditzingen
https://www.ditzingen.de/bauen-wirtschaft/hochwasserschutz (externer Link), aufgerufen
am 03.03.2026
Michael Mertens, NABU Schwieberdingen-Hemmingen, März 2026